Diese Frage könnte man schnell mit einem "Ja" oder "Nein" beantworten, doch so leicht ist es nicht. So einfach sollte ein Thema von solch großer Bedeutung nicht beantwortet werden. Die Antwort sollte gut durchdacht und erörtert sein. Jaqueline Best hat mal genauer hingesehen und die Vor- und Nachteile des Pflegeberufs durchleuchtet.
Zu Beginn muss der Begriff Pflege - und in diesem Fall Pflege als Beruf - erst einmal klar definiert werden. Nach dem Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (International Council of Nurses, ICN), wird der Begriff Pflege wie folgt definiert: Pflege (professionelle Pflege durch eine/n Altenpfleger/in, Gesundheits- und Krankenpfleger/in oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in) umfass die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften sowie von Gruppen und Sozialen Gemeinschaften ob krank oder gesund in allen Lebenssituationen. Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmungen der Interessen und Bedürfnisse, Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung und Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung."
Nach dem Lesen dieser Definition könnte die oben gestellte Frage mit einem ganz deutlichen Ja beantwortet werden. Sinnvoll ist dieser Beruf allemal! Und das nicht zuletzt deshalb, weil der Bedarf an Pflegekräften steigt. Bis zum Jahr 2020 sollen nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung die Zahlen der Pflegebedürftigen auf ca. 2,94 Millionen ansteigen und bis zum Jahr 2050 um weitere 1,8 Millionen. Dadurch wird sich der Bedarf an Arbeitsplätzen in der Pflege bis zum Jahr 2050 um 500.000 erhöhen. Durch die demografische Entwicklung wird es in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, dass es mehr Pfleger und Schwestern gibt, die sich um die alternde Bevölkerung kümmern. Diese Tatsache macht den Pflegeberuf zu einem Beruf mit Zukunft und Perspektive, der trotz seiner Wichtigkeit von immer weniger jungen Menschen ergriffen wird. Das ist in erster Linie auf die schlechte Bezahlung und die belastende Arbeitsintensität zurückzuführen. So kann es auch dazu kommen, dass die vermehrte Bürokratisierung zu Lasten der pflegerischen Aufgaben geht. Das zeigt auch eine Umfrage, bei der sich 76% der befragten Krankenpfleger/innen mehr Zeit für die Bewohner und Patienten wünschen. Diese Zeit gehe ihnen unter anderem auf Grund von verwaltungstechnischen Aufgaben verloren, berichtet der Deutsche Altenpflege-Monitor.
Durch den steigenden Bedarf an Pflegekräften nehmen jedoch die Tätigkeitsfelder in der Pflege zu und es gibt zahlreiche Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung. So gibt es viele verschiedene Wege als Gesundheits- und Krankenpfleger/in zu arbeiten. Arbeitsplätze finden sich zum Beispiel in Krankenhäusern und Schulen aber auch in staatlichen Einrichtungen oder Heimpflegeeinrichtungen. Aber nicht nur der Ort, sondern auch die "Disziplinen" im Gesundheitswesen können nach Belieben ausgewählt werden. Und davon gibt es einige: Von der Pflege im OP über die Tätigkeit in Anästhesie und Dialyse bis hin zur Notaufnahme.
Fragt man Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Katholischen Klinikum Koblenz, so ist der Beruf "eine ganzheitliche Herausfoderung, denn der Mensch steht im Mittelpunkt der Arbeit. Pflege umfasst nicht nur fachliches Wissen und Können, sondern auch persönliches Engagement." "Der Mensch steht im Mittelpunkt", präzisieren die Schüler. Und damit haben sie Recht! Gesundheits- und Krankenpfleger/innen interagieren jeden Tag mit vielen Menschen. Von Patieten über Ärzte und Klinikpersonal bis hin zu Angehörigen und Betroffenen. Das macht den Beruf so interessant und abwechslungsreich. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und Erfahrungen, da täglich aufs Neue unklar ist, was der Arbeitstag bringen wird. Wenn man bereit ist Verantwortung zu tragen und auch Verantwortung übernehmen kann, besteht die Möglichkeit - auf einer gut basierten Grundlage - selbständig Entscheidungen zu treffen und sich selbst,seine Vorstellungen und Ideen mit einzubringen. Der Beruf verlangt also auch viel Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, wodurch die Vielseitigkeit steigt und die Erlebnisse wachsen.
Alles in allem spricht also einiges für diesen Beruf. Besonders wenn man aufgeschlossen ist und Freude daran hat, anderen Menschen zu helfen und sie in schwierigen Lebenslagen zu begleiten. Doch es darf auch nicht verschwiegen werden, dass die Arbeitsbedingungen unter denen Pflegekräfte heute arbeiten müssen, leider häufig schlecht sind. Dadurch dass vor allem in Pflegeberufen häufig schwer gehoben werden muss - nach der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin müssen Pflegende häufiger schwer heben als Bauarbeiter - treten auch Beschwerden durch Skelett- und Muskelerkrankungen öfter auf als in anderen Branchen. Dazu kommen die "flexiblen" Arbeitszeiten. Schichtarbeit hat seine Vorteile, denn Schichten können übernommen oder getauscht werden. Doch 90% der Pflegenden müssen an Sonn- und Feiertagen arbeiten und zusätzlich Nachtschichten leisten. Auch die knappe Personaldecke macht sich durch die Engpässe bemerkbar die entstehen, wenn zum Beispiel Mitarbeiter durch Krankheit oder Urlaub ausfallen.
"Sicherlich ließe sich der pflegerische und organisatorische Aufwand durch eine höhere Fachkräftequote besser bewältigen", versucht der Deutsche Altenpflege-Monitor Lösungen für das Problem aufzuzeigen. "Es kann nur geändert werden, wenn mehr Personal eingestellt, die Arbeitsbelastungen reduziert und die Einkommensbedingungen verbessert werden." Für einen Wandel in der Politik setzt sich auch die Pflege tut gut-Kampagne der BBT-Gruppe ein. Trotz einiger Nachteile und schwieriger Rahmenbedingungen arbeiten 89% der Fachkräfte gerne in der Altenpflege und sind mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden. Denn jeder von ihnen kann die ständige Entwicklung und den Wandeln mitgestalten. Die Pflegeberufe bilden eine Grundlage für unsere Zukunft. "Pflegeberufe sollten häufiger erlernt werden, weil man in Pflegeberufen wächst. Nicht nur das Berufsfeld oder die Gruppe der zu pflegenden Personen, sondern man selbst wächst an der Arbeit, an dem Erwerb von Kompetenzen, die über die eigentliche Arbeit hinausgehen", fasst ein Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Katholischen Klinikum Koblenz zusammen. Und gemeinsam kommen die Schüler zu dem Schluss: "Pflegeberufe sind Berufe für das Leben!"