Der Auslöser, über eine eigene Kampagne der BBT-Gruppe nachzudenken, war die immer lauter werdende öffentliche Diskussion über die Pflege im Altenhilfebereich. Durch die Darstellung von Negativbeispielen in den Medien wird der Altenpflege ein Image angeheftet, das mit der Realität – und besonders mit der Pflege in unseren Häusern – nichts zu tun hat. Ein paar schwarze Schafe können nicht als Stellvertreter einer ganzen Berufsgruppe gelten. Mit „Pflege tut gut“ wehren wir uns deshalb dagegen, alle über einen Kamm zu scheren. Wir distanzieren uns von schlechter Pflege, indem wir klar machen: Bei uns ist es anders! Wer in unseren Altenhilfeeinrichtungen lebt, der bekommt professionelle Pflege – Tag für Tag. Auch in unseren Einrichtungen der Behindertenhilfe und in den zahlreichen Krankenhäusern wird kompetente Pflege auf höchstem Niveau praktiziert. Das belegen nicht zuletzt die positiven Rückmeldungen von Bewohnern, Angehörigen oder Patienten, die wir regelmäßig bekommen. In der Altenhilfe genauso wie im Behinderten- und Krankenhausbereich. „Pflege tut gut“ will aber mehr als Unterschiede aufzeigen. Die aktuelle Entwicklung zeigt uns die Brisanz des Pflegethemas besonders im Hinblick auf den Nachwuchs. Denken Sie beispielsweise an die Diskussion um die Einführung eines Mindestlohnes. Gerade junge und qualifizierte Kräfte kehren dem Pflegeberuf immer häufiger den Rücken, weil die Bezahlung einfach zu schlecht ist. Auch wenn wir uns als kirchlicher Träger an einer tariflichen Bezahlung orientieren, gibt es immer noch viel zu viele private Anbieter, die einer angemessenen Bezahlung nicht gerecht werden. Auch dieses Thema wollen wir mit „Pflege tut gut“ in die Öffentlichkeit tragen.

Wir wenden uns mit „Pflege tut gut“ an alle Interessensgruppen, also sowohl an die breite Öffentlichkeit, als auch an Patienten oder Bewohner. Und natürlich auch an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den unterschiedlichen Einrichtungen. Ihnen wollen wir sagen: Wir sind stolz auf euch und auf das, was ihr täglich leistet! In unseren Häusern wird eine sehr gute und vor allem sehr kompetente Arbeit von den Pflegekräften getan. Die Pflege in den Einrichtungen der BBT-Gruppe, sei es in den Altenheimen, den Behinderteneinrichtungen oder den Krankenhäusern, hat eine hohe Qualität – wir wissen, dass wir das vor allem den Pflegenden selbst zu verdanken haben. Das erkennen wir mit „Pflege tut gut“ an und tragen diese Botschaft auch nach Außen. Bewohnern, Patienten und Klienten möchten wir signalisieren, dass sie in unseren Einrichtungen in guten Händen sind. Ihren Angehörigen wollen wir vermitteln, dass uns die gute Pflege ihrer Lieben ein Anliegen ist. Dass wir uns um die Alten, Kranken und Behinderten sorgen und kümmern. Und das wir alles daran setzten, unsere Qualitätsstandards zu halten. Qualität bedeutet ein Versprechen für die uns anvertrauten Menschen – dafür setzten sich unsere Mitarbeiter mit Leib uns Seele ein. Die gute Pflege in unseren Häusern basiert auf einer gezielten Förderung der Mitarbeiter, sowohl in der Ausbildung als auch über verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten. Wer bei uns arbeitet, dem bieten sich vielfältige Einbringungsmöglichkeiten – auch das wollen wir mit „Pflege tut gut“ signalisieren und damit einem zukünftigen Mangel an kompetenten Mitarbeitern entgegenwirken. Der Pflegeberuf bietet einen hohen Sinnbezug, und das ist etwas, wonach heute viele junge Menschen suchen. Wir möchten Interessierten vermitteln, was der Dienst am Menschen in unseren Einrichtungen bedeutet und sie über „Pflege tut gut“ ermutigen, sich für eine Tätigkeit in unseren Einrichtungen zu entscheiden.
Nein, einen Widerspruch sehe ich nicht. Die verschiedenen Kampagnen ergänzen sich sogar außerordentlich gut. Nur weil unsere Kampagne „Pflege tut gut“ heißt, heißen wir ja nicht alles gut. Im Gegenteil! Natürlich liegt das größte Problem in den mangelhaften Rahmenbedingungen, unter denen die Pflege stattfinden muss. Und dass diese dringend geändert werden müssen, ist keine Frage. Dennoch geht es uns primär darum, darzustellen, was Pflege bei uns ist: Eine professionelle Dienstleistung, kompetent ausgeführt von qualifizierten Mitarbeitern. Unsere Botschaft lautet: Unsere Pflege ist gut – trotz schlechter Rahmenbedingungen. Auch wir wollen also die Öffentlichkeit dazu animieren, über die Rahmenbedingungen nachzudenken. Darüber hinaus wollen wir ihr aber auch den wertvollen Dienst der Pflegenden bewusst machen. Jedem muss klar werden, dass gute Pflege ausreichender finanzieller Ressourcen bedarf. Umfassende und professionelle Pflege kostet Geld, und zwar mehr, als 3,30 Euro am Tag. Es wird Zeit, dass sich die Verantwortlichen im Gesundheits- und Sozialwesen mit dieser Problematik auseinandersetzen und Lösungen finden. Aber eine klare Differenzierung ist wichtig: Die Rahmenbedingungen sind schlecht – nicht die Pflege!
Schon unser Ordensgründer Peter Friedhofen stand in der Tradition caritativer Krankenpflege, die für ihn Liebesdienst im Sinne christlicher Nächstenliebe war. In unseren Krankenhäusern, aber auch in unseren Alten- und Behinderteneinrichtungen lebt diese Tradition durch unsere Mitarbeitenden weiter. Die Nächstenliebe Peter Friedhofens ist auch heute noch Vorbild für die Verwirklichung unseres caritativen Auftrages. In diesem Sinne bedeutet Pflege für uns etwas Ganzheitliches, die Befriedigung der Grundbedürfnisse des Lebens. Auch wenn sich die Ressourcen verknappen, die Wertevorstellungen der Gesellschaft sich verändern und die Aufgaben in der Pflege sich ständig wandeln, bleiben die christlichen Grundwerte für unsere Einrichtungen maßgebend. Daran orientieren sich auch die Pflege- und Betreuungsleitbilder, nach denen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich arbeiten und auf deren Basis „Pflege tut gut“ entstanden ist.
Mit dem Start der Kampagne in den Altenheimen der BBT-Gruppe haben wir damit begonnen, Großflächenplakate in der unmittelbaren Umgebung dieser Einrichtungen anbringen zu lassen. Diese Art der Offensive ermöglichte es uns, bereits vor dem offiziellen Kampagnenstart ein breites Publikum auf die Kampagne aufmerksam und hoffentlich neugierig zu machen. Der „richtige“ Start der Kampagne ist für Frühjahr 2010 geplant. Dann werden hoffentlich alle Einrichtungen unserer Gruppe mit „Pflege tut gut“ auf die wichtigen Themen in diesem Bereich aufmerksam machen. Zurzeit laufen die Abstimmungen mit den einzelnen Häusern, in welcher Form sie sich an der Kampagne beteiligen. Bereits im Herbst planen unsere Krankenhäuser in Paderborn und Marsberg und die Altenhilfeeinrichtungen in Rilchingen weitere Aktionen zur Pflegekampagne. Und beim ökumenischen Kirchentag in München werden wir mit „Pflege tut gut“ genauso vertreten sein, wie bei den Jubiläumsfeiern 2010 in Trier zu unserem Ordensjubiläum.
Gestärkte Mitarbeiter, eine Gesellschaft, die den wertvollen Dienst der Pflegenden zu schätzen weiß und einen Wandel in der Politik hin zu der Bereitschaft, mehr Geld in die Pflege zu investieren.
Lena Rusche